Abrüstung im Sinne des Datenschutzes (Teil IV)

Was wären wir heute ohne Handys? Freier. Natürlich, aber es hat ja auch sein Gutes. Im Notfall kann man schnell Hilfe holen. Man ist erreichbar, immer, Rund um die Uhr.

Der Handykonsum

Wer kennt es nicht? Das Handy liegt bis Abends spät in der Hand, oder wenn es gut läuft auf dem Nachttisch neben dem Bett. Vielleicht hängt es am Netzteil, damit man am nächsten Tag wieder schön viele Stunden auf das „Ceranfeld“ schauen kann bzw. es sich ins Gesicht halten kann.

Übrigens lade ich mein Handy NICHT über Nacht. Das hat mehrere Gründe.

  1. Brandschutz: gerade auf dem Nachttisch könnte ein entstehendes Feuer fatale Konsequenzen haben. Bettdecken brennen sehr gut und leicht. Wenn man schläft, bekommt man evtl. nicht mit, ob der Akku überlädt und Funken sprüht. Direkt neben dem Kopf könnte im Worst Case selbst der Rauchmelder zu spät reagieren.
  2. Ablenkung in der Nacht, ich betreibe selber mein Handy immer im „stumm“ Modus, allerdings bemerke auch ich beim Einschlafen manchmal das Brummen des Vibrationsmotors oder werde einfach durch das sich einschaltende Display wach.
  3. Sind wir ehrlich, es liegt da, griffbereit. Man hat Abends noch eine Idee, will evtl. etwas nachschlagen. Man greift zum Handy und – ist wach. Ich persönlich mag Blaufilter gar nicht, aber es in der tat so, das blaues Licht wach hält und den Schlafzyklus stört.

Aber, aber.. das ist doch mein Wecker. Stimmt. War es bei mir auch. Dann habe ich mir vor einem Jahr beim letzten IKEA Besuch einen normalen Wecker gekauft für wenige Euro. Das ist nun mein Wecker. Bei der Erreichbarkeit, klar, wenn das Handy woanders im Haus der Wohnung liegt, hört man es nicht. Es gibt Funktionen, dass wenn Person X in Y Minuten Z Mal anruft das Handy trotzdem klingelt. Wir sind allerdings „old school“ und haben noch ein (mehr oder weniger normales) Telefon (ein FritzFon das per VoIP mit unserem Anbieter kommuniziert). Im Notfall gehen die Anrufe der Verwandten eh erstmal dort ein. Ich muss gestehen, dass es mir selber hin & wieder schwer fällt das Handy nicht neben mir liegen zu haben. Auch das sagt etwas aus.

Bevor jetzt hier ein falscher Eindruck entsteht: ich nutze mein iPhone gerne, ich fotografiere sehr gerne damit und bin in dem einen oder anderen Urlaub sehr froh gewesen nicht eine schwere DSLR oder DSLM mit mir rumschleppen zu müssen und dennoch wunderschöne Erinnerungen an die Familie und Urlaubsorte gemacht zu haben. Dennoch sehe ich an mir selber einen Überkonsum, den ich gerne in den Griff bekommen möchte.

Apps, Apps, Apps

Habt ihr euch nicht schon einmal gefragt, wieso gewisse Apps kostenfrei sind? Und damit meine ich jetzt gar nicht die der ganz Großen, also Google, Amazon, Apple, Microsoft & Co, sondern auch kleine Apps wie Bring. Diese App ist ein digitaler Einkaufszettel. Man tippt z.B. „Brok“ ein und die App findet „Brokkoli“, ein Tipp und – schwups – ist das Produkt auf der Liste. Das Ganze kann man dann mit anderen Personen teilen, wenn man sich z.B. beim Einkaufen abwechselt. Wir haben Bring immer sehr gerne benutzt, es ist ja auch praktisch, besonders wenn man die Apple Watch hat. Einfach die App auf der Watch öffnen und die soeben in den Einkaufswagen gelegten Artikel antippen. Dann sind die von der Liste und man vergisst nichts. Geil!

Allerdings sammelt Bring Daten. In den „Terms of Service“ (die dann in Deutsch sind) wird beschrieben was so alles passiert. Die wenigsten machen sich die Mühe das zu lesen (ich damals auch nicht). Da wird davon gesprochen, dass man passende Angebote und Kataloge ganz praktisch digital und direkt im Handy bekommt. Dann poppen unten kleine Zahlen (ungelesen Counter) auf und man kann sich die Prospekte ansehen. Bring weiß genau, welche Geschäfte man besucht und welche noch so in der Nähe sind. Evtl. hast du diese Daten ja direkt eingegeben. Bei uns hießen die Einkaufstzettel „Netto“, „Aldi“, „REWE“ usw. – das weiß Bring dann auch. Evtl. wird die Position auch erfasst, nicht nur anhand von GPS, sondern auch durch Triangulierung von WiFi Signalen oder Bluetooth Beacons. Geschäfte machen unglaubliche Sachen mit Technik, da ist mir die Kinnlade runtergeklappt. Im Buch „Dann haben die halt meine Daten – na und?“ geht die Autorin im Detail darauf ein.

Ich für meinen Teil versuche daran zu denken, WLAN abzuschalten und Bluetooth zu deaktivieren. Ich vergesse es leider auch manchmal, es wäre toll wenn Apple so etwas automatisch ermöglichen würde, im Umkreis von 100m um den Heimatort ist das an, darüber hinaus wird es auf Wunsch deaktiviert. Wäre doch mal was, oder?

Bring ist bei uns auf jeden Fall vom Handy gelöscht worden (nachdem das Konto zuvor gelöscht wurde). Statt dessen verwenden wir nun „DS_Note“, einer App die das Notizbuch auf der Synology anzapft. Die Notiz kann man teilen und wir können geteilt an dem Einkaufszettel arbeiten, also Dinge hinzufügen. Datenschutztechnisch ist das Ideal, weil die Synology natürlich bei uns zu Hause läuft. Technisch läuft das Ganze übrigens sehr simpel hinter einem nginx TLS-Reverseproxy.

Bring ist nur ein Beispiel, dass ich hier anbringe. Schaut euch mal euren „kostenlosen“ Apps auf eurem Handy an und hinterfragt wieso die Apps, die in der Programmierung sicher sehr teuer waren gratis sind. Ich hatte 1-2-3 Tanken installiert. Die App hat Werbebanner oder man kann ein Abo abschließen. Dann sind die Werbebanner deaktiviert. Man kann einen Alarm einstellen, dass man informiert wird, wenn das Benzin im Wochenmittel am günstigsten an der gewünschten Tankstelle ist. Ziemlich cool, ziemlich oversized. Ich habe die App wieder entfernt und mir einen Shortcut zu der Filialwebseite der Tankstelle bei der ich immer tanken gehe auf den Homescreen gelegt. Wenn ich tanken muss weiß ich eh, dass ich Dienstags, Mittwochs und Donnerstags zwischen 19 und 21:00 am günstigsten tanke. Und wenn ich am Tag darauf mal 2ct mehr pro Liter zahlen muss, bringt mich das auch nicht um.

Eine andere App in der Kategorie „wieso eigentlich eine App?“ ist die tagesschau. Ich versuche mich einigermaßen neutral zu informieren, ich denke das die tagesschau einigemaßen neutral ist/sein sollte. Wie auch immer, die App trackt. Das sieht man auch in den Einstellungen, man kann es abstellen – aber: wozu? Auch hier erstelle ich einen Link im Homescreen oder lasse den Tab immer auf.

Datenschutz beim Surfen auf dem Handy

Auf dem Desktop nutzen viele Werbeblocker. Da gibt es gute, wie uBlock Origin, da gibt es schlechte, wie AdBlock, die sich für das Whitelisting bezahlen lassen.

So etwas gibt es auch für Handys. Bei Android kann man z.B. uBlock Origin in Firefox wie auf dem Desktop installieren oder man nutzt Blockada (was mir immer etwas suspekt war). Ich bin selber wie erwähnt lieber mit iOS unterwegs und installiere Firefox Klar. Der bringt einerseits einen eigenen Werbeblocker mit, auf der anderen Seite ist dieser auch ein kompletter Browser, der für das Vergessen von Daten vorgesehen ist. Was mich hier ein wenig stört ist vermutlich ein Grundgedanke des Browsers. Man hat nur einen Tab; außerdem kann man (zumindest in iOS 13) keinen Link zu einer Seite für Firefox Klar auf dem Homescreen erstellen. Schade. Ich nutze daher Safari und schalte in den Einstellungen unter Safari den „Inhaltsblocker“ von Firefox Klar ein. Zusätzlich läuft bei uns im Haus ein Raspberry Pi mit PiHole, der einen Großteil der Werbung bereits blockt.

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Beitragsfoto: von Gilles Lambert via Unsplash.com