Abrüstung im Sinne des Datenschutzes (Teil I)

Dann haben die halten meine Daten, na und?“ – das war der Neueinstieg in das Thema Datenschutz. Das Buch von Klaudia Zotzmann-Koch habe ich verschlungen. Ich fühlte mich bei den Anreden zwar nicht direkt als Zielgruppe angesprochen (männlich, IT-Background), aber das Buch tat gut. Es motivierte mich digital zu entschlacken.

In den letzten 25 Jahren habe ich mir im Internet den einen oder anderen Schnitzer geleistet, wobei das uralte ebay-Konto wohl noch das geringste Übel ist. 1998 ein eMail-Konto bei GMX, ab 2003 dann eines bei Googlemail. Wie soll ich sagen? Von da an ging’s bergab. Nach WhatsApp kam 2009 Facebook dazu. Musste man haben. Und Twitter. 10 Jahre meines Lebens habe ich auf Twitter publiziert – mit üblem Ausgang. Die Fotos des Handys gingen direkt nach Google Photos. Ob im Urlaub, in Freizeitparks oder zu Hause – die Fotos hatte ich beisammen, schön geteilt mit dem Google Konto meiner Frau. Als Betriebssystem kam (trotz besseren Wissens) in den letzten Jahren Windows zum Einsatz. Für Linux hatte ich auf dem Desktop nicht die Muße. Irgendwas lief nie rund, aber dazu komme ich später noch.

Als ich das Buch las, hatte ich ein Google Pixel 3a in der Tasche. Das Buch kaufte ich ironischer Weise bei Amazon und lud es auf meinen Kindle (dazu gibt es im Buch eine schöne Anekdote). Der wichtigste Kanal mit der Familie und den Freunden war WhatsApp. eMails? Nee – da kommen Rechnungen oder Infos zu Bestellungen bei Amazon drüber rein, aber keine wichtigen Mitteilungen privater Natur.

Nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, war die erste Aktion einen Plan zu machen; ich bzw. wir waren wirklich bis zur Oberkante Unterlippe im Schlamassel, was den Mißbrauch unserer Daten angeht. Bei den Handys fingen wir an, also kauften wir zwei Apple iPhones, weil meine Versuche mit alternativen Betriebssystemen auf den Google Handys alles andere als auch nur Ansatzweise erfolgversprechend waren. Auch wollte ich eine gute Kameraqualität beibehalten, da ich viele Fotos unterwegs mache, mit den optionalen Systemen auf dem Pixel war das leider nicht möglich.

Der Messenger

WhatsApp sollte weichen. Das war gar nicht ganz so einfach. Viele verdrehten die Augen und meinten das wir dann eben keinen Kontakt mehr haben werden. Das ist nicht ganz so gekommen, aber einige Kontakte sind durchaus auf der Strecke geblieben. Damit kann ich aber ganz gut leben, immerhin wird man nicht mehr ungefragt in irgendwelche Gruppen gesteckt und mit animierten GIFs überhäuft.

Welcher Messenger es denn nun geworden ist? Nun, es sind mehrere. Threema ist mit iMessage mittlerweile gleichauf was die Nutzung angeht und Signal nutze ich für 2-3 Kontakte, die die anderen beiden Dienste eben nicht nutzen. Die paar Euro gebe ich gerne für Threema aus. Leider gibt es hier einen Wermutstropfen: die Webvariante ist, wie verpacke ich das jetzt höflich, einfach Käse. Es ist meilenweit von dem zuvor verwendeten WhatsApp Web entfernt, reconnected sich oft und macht auch schonmal längeres Geschriebenes zunichte. Ich habe die Hoffnung, dass das eines Tages besser wird. iMessage dagegen bietet gar keine solche Option an, nichtmal in der iCloud. Schade.

Kalender, Kontakte und Fotos

Ganz wichtig ist für meine Frau und mich der digitale Kalender. Wir organisieren damit den Alltag inkl. Kind – und das kann durchaus ein Herausforderung sein. Bisher war alles bei Google und es lief fluffig. Technisch war das wirklich sehr gut, aber ein Abrüsten und Google weiternutzen ist leider ein Widerspruch in sich. Zum Glück kann unser NAS (eine Synology Diskstation) diese Dienste übernehmen. Für den Kalender gibt es sogar ein wirklich gelungenes Webinterface, per CalDAV wird dieses direkt an iOS angedockt.

Bei den Kontakten funktioniert das mit CardDAV ähnlich. Auf der Synology gibt es eine (deutlich rudimentärere) Anwendung für die Kontakte. Beim Import gab es Probleme über das Webinterface, die Lösung war recht einfach: die exportierte Datei von Google per eMail an das Handy schicken, welches bereits via CardDAV angebunden ist und per Klick die Kontakte importieren. Schon klappte es.

Google Photos ist eine verdammt gute Software. Nicht nur das sie sich gut zum Sortieren der eigenen Fotos eignet, man kann mit wenigen Klicks Fotos und Alben mit Familie und Freunden teilen. Obendrein scannt Google die Fotos und indiziert diese somit. Man kann nach „Papier“ suchen und findet beispielsweise abfotografierte Rezepte. Da hat es die neue Heimat für unsere Fotos etwas schwer heranzukommen. Wir setzen hier abermals auf eine Anwendung von Synology: Moments. Moments kann viel, auch das Teilen von Fotos ist kein Problem, Alben sind ebenfalls möglich, eigene Fotos mit dem Album des anderen virtuell zu verknüpfen geht hingegen nicht. In DSM7, der nächsten Version des Synology Betriebssystems wird es Photos geben, bei dem die Photo Station und Moments quasi miteinander verschmelzen. Ich hoffe, dass es die wenigen vermissten Features darin dann geben wird. Die Fotos gelangen übrigens mit der offiziellen Moments App aus dem App Store in die heimische Foto Bibliothek.

Die Suchmaschine und der Browser

Heute suchen die wenigsten im Internet, heute „googlet“ man. Eklig. Die Suchmaschine der meisten die ich kenne ist und bleibt Google. Auch ich googlete mich so durch meine Arbeits- wie Freizeit. Ich kann nicht sagen, dass die Ergebnisse schlecht waren. Mangels Vergleich war man sie halt gewohnt. Was mir aber (besonders wenn man eine andere Suchmaschine zwischendurch verwendet hat und dann wieder die Googlesuche verwendet) aufgefallen ist: Google = Kommerz. Suche ich nach einen Review zu einem bestimmten Lenovo ThinkPad, dann finde ich in den ersten Ergebnissen 100%ig Links zu Shops. Bei anderen Suchmaschinen ist das dann oft nicht so. Ich verwende heute nicht mehr eine Suchmaschine, sondern nutze je nach Lust und Laune mal DuckDuckGo, Startpage, MetaGer oder aktuell sogar als Standardsuchmaschine Ecosia. Eine eigenen Searx-Instanz hatte ich auch schon einmal aufgesetzt, aber so wirklich geflashed hatten mich die Ergebnisse nicht.

Als Browser habe ich Chrome aufs Abstellgleis geschoben und verwende wieder Firefox. Von Kollegen habe ich schon zu hören bekommen, dass er so langsam sei. Ja? Kommt mir gar nicht so vor, aber vielleicht respektiere ich auch einfach eine kleine Wartezeit, wenn ich denn weiß, dass mein Browser nicht alles ans Mutterschiff funkt. Aber auch beim Firefox gibt es solche Fallstricke, dazu gibt es in einem anderen Beitrag noch mehr, wenn ich vorstelle, wie ich mein Betriebssystem mit wenigen Handgriffen für mich angepasst habe.

Das Betriebssystem

Windows 10 ist ein gutes Betriebssystem. Das finde ich wirklich. Es läuft stabil, schnell und man kann es mit ein wenig Geduld doch recht einfach dem eigenen Geschmack anpassen.

Aber Microsoft sendet Telemetriedaten nach Hause, und wenn man sich so denkt, dass ist nur ein wenig, dann täuscht man sich. Schon 1998 wurde gemunkelt, dass Windows 98 diese Praktiken beinhaltet, ob das stimmt, weiß ich nicht, aber ich kann sagen, dass es mich damals erstmalig zu SuSE Linux getrieben hat. Auch wenn ich Windows für ein gutes System halte, wollte ich den ganzen Weg gehen. Ich habe eine lange Liste an Versuchen hinter mir und es gibt einen ganzen Haufen von Betriebssystemen die ich ausprobiert habe. Neben Windows war oft der Hackintosh dabei, da ich Apples macOS ebenfalls für ein gutes System halte, aber auch Linux in den schillernsten Variantionen habe ich ausprobiert, Antergos gefiel mir da am besten, aber leider wurde das eingestellt. Manjaro war nie meines und so stolperte ich letztes Jahr über Pop_OS! von System76. Der fade Beigeschmack kommt, wenn man bedenkt, dass diese Firma aus den USA kommt.

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Beitragsfoto: Taylor Vick via Unsplash.com